„Einen Scheiß muss ich!“ – Und ein „Muss“, das trotzdem bleibt

Birgit Nora Schäfer | 02/08/2026 | überarbeitet 11/08/2026 Coaching & Mentoring, Persönliches |  Min. | 2 Kommentare

Als ich die „Einladung von Silke Geissen zur Blogparade „Einen Scheiß muss ich!“ gelesen habe, hat sie mich damit sofort erwischt. Nicht weil das Thema neu für mich wäre. Sondern weil es genau das trifft, womit ich mich – als (Neuro-)Embodiment Coach und Nervensystemexpertin und in meiner Arbeit mit Frauen seit mehr als 6 Jahren – täglich beschäftige.

Ich kenne dieses Thema aus zwei Richtungen.

Zunächst aus meiner eigenen Geschichte: Mit 48 hatte ich einen Herzinfarkt. Bis dahin hatte ich funktioniert, geliefert, gespurt. Ich hatte das Gefühl „zu müssen“ so tief verinnerlicht, dass mein Körper irgendwann die einzige Sprache gesprochen hat, die ich nicht überhören konnte.

Und aus meiner Arbeit: ich begleite so viele Frauen, die erschöpft, leer und von sich selbst abgeschnitten zu mir kommen, und dieses Muster ist immer dasselbe. Sie tun vieles, weil sie glauben, es zu müssen. Und irgendwann wissen sie nicht mehr, was sie selbst eigentlich wollen.

Deshalb stelle ich mir schon lange diese Fragen und stelle sie auch meinen Klientinnen:

  • Wie viel von dem, was du täglich tust, kommt wirklich von dir?
  • Wie viel davon tust du aus echter Überzeugung, also aus einem inneren Ja?
  • Und wie viel davon läuft einfach ab, weil es immer schon so war, weil es von dir so erwartet wird oder weil du es so gelernt hast?

Diese Fragen sind kein Selbstvorwurf. Sie sind eine ehrliche Bestandsaufnahme. Denn je bewusster ich lebe und je mehr ich mit Frauen arbeite, die sich in genau dieser Erschöpfung des Von-außen-gesteuert-Seins verloren haben, desto klarer wird mir: Das Gefühl zu müssen entspringt oft nicht aus unserer inneren Wahrheit. Es ist eine Gewohnheit. Und Gewohnheiten können wir hinterfragen.

Das Gefühl, etwas zu müssen ist oft kein Selbstverständnis und entspringt nicht aus unserer inneren Wahrheit. Sondern es ist eher eine Gewohnheit.Und Gewohnheiten können wir hinterfragen und ändern. Doch darauf gehe ich im zweiten Teil dieses Artikels zum „Nicht-Müssen“ näher ein.


Ich habe also zunächst meine eigene Liste aufgeschrieben über Dinge, von denen ich lange glaubte, ich müsste sie tun. Und bei denen ich irgendwann dann festgestellt habe: „Einen Scheiß muss ich!“

Meine Liste über all den „Scheiß, den ich nicht mehr muss“

Ich muss nicht immer erreichbar sein. Nicht für jeden. Nicht sofort. Nicht rund um die Uhr. Mein Telefon, mein E-Mail-Postfach, ja auch meine Haustürklingel haben einen Lautlos-Modus. Ich darf ihn benutzen, wann immer ich will.

Ich muss nicht alles erklären. Nicht warum ich nein sage. Nicht warum ich heute keine Lust habe. Nicht, warum ich gerade diese Grenze ziehe. Ein Nein ist ein vollständiger Satz! Ein großartiger Satz. Und – ganz wichtig: ein Nein, das du als Grenze anderen gegenüber aussprichst, ist auch immer ein Ja zu dir selbst!

Ich muss nicht allen gefallen. Das war lange mein größter innerer Antreiber und ich weiß, dass er auf viele Menschen zutrifft. Der Wunsch, gesehen zu werden, gemocht zu werden, nicht anzuecken. Heute weiß ich: Je mehr ich versuche, allen zu gefallen, desto weiter entferne ich mich von mir selbst. Heute gilt für mich: ERST ICH. DANN ALLES ANDERE. Und genau das lernst du auch in meinen Coachings. Und warum es Null-Komma-Null-Nix mit Egoismus sondern mit purer Selbstführung zu tun hat.

Ich muss nicht schon wissen, wohin es geht. Gib dir unbedingt die Erlaubnis, im Prozess zu sein, den Weg zu erkunden. Noch nicht fertig oder am Ziel zu sein. Dich hinzugeben und zu genießen. Die Erkenntnis über dich selbst und was du wirklich willst, geschieht meist in der Langsamkeit und der Ruhe, nicht im Hustle-Modus. Das Leben plant sich nun mal nicht in Excel-Tabellen.

Ich muss nicht sofort reagieren. Auf Nachrichten. Auf Vorwürfe. Auf Erwartungen. Ich darf erst atmen. Erst spüren. Erst einen Schritt zurücktreten und bei mir ankommen, bevor ich antworte.

Ich muss nicht sofort Ja sagen. Zu Bitten, Anfragen oder Aufgaben, die an mich herangetragen werden. Auch hier gilt das Gleiche: Prüfen, Wahrnehmen, Erkennen, ob ein Ja in diesem Zusammenhang gerade wirklich richtig für mich ist.

Ich muss mich nicht kleiner machen oder sein als ich bin. Das sitzt tief. Gerade bei Frauen, die gelernt haben, sich zu verbiegen, keine Probleme zu machen, bloß nicht zu viel Raum einzunehmen. Ich muss mich nicht wegducken oder hinter mir selbst verstecken, damit andere sich dadurch groß fühlen können.

Ich muss nicht immer stark sein. Manchmal darf meine innere Stärke ins Wanken geraten. Manchmal darf ich verletzlich sein, ratlos oder einfach auch nur mal schwach und erschöpft. Das ist menschlich.

Ich muss nicht alles alleine schaffen. Ich hole mir Hilfe, wenn ich sie brauche. Sei es der Handwerker, der etwas für mich reparieren soll. Der Arzt, der mir bei Krankheit schnell und zuverlässig hilft. Die Freundin, die immer mit einem offenen Ohr für mich da ist. Der Partner, der mich bei meinen alltäglichen Aufgaben unterstützt. Oder auch jemand wie ich, der dich als Coach und Mentorin in bestimmten Fragen begleitet und unterstützt. Um Hilfe zu bitten ist keine Schwäche, sondern Stärke!

Ich muss nicht erst bis zum Ende funktionieren, bevor ich entspannen und Pause machen darf. Nicht erst wenn alles erledigt ist. Nicht erst wenn ich es verdient habe. Jetzt. Pausen gehören zum kreativen Schaffensprozess und zum gesunden Leben und Arbeiten zwingend dazu.

Soweit also meine persönliche Liste.


Gibt es absolutes „Nicht-Müssen“?

Nein, natürlich nicht. Denn – und wir wissen es alle ganz genau – es wird uns nicht gelingen, uns immer und überall den Zwängen, Pflichten und Normen im Außen komplett zu entziehen. An dieser Stelle hilft nur radikale Ehrlichkeit uns selbst gegenüber.

Wir Menschen sind soziale Wesen und für den sozialen Zusammenhalt braucht es nun mal Regeln, Pflichten und Gesetze.

Allerdings haben wir die Möglichkeit, innerhalb dieser Normen zu entscheiden, wer wir damit sein wollen und wie wir damit bestmöglich umgehen können.

Und innerhalb unseres ganz privaten Rahmens, entscheiden wir dann eben für uns, wo immer es geht, für größtmögliche Freiheit.

Ich finde das hat schon ganz schön viel für sich und ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich diese Möglichkeiten der Entscheidungsfreiheit habe.


Aber da gibt es noch ein anderes Müssen

Und jetzt kommt mein Aber. Denn es gibt ein Müssen, das in der Coaching-Welt gern verschwiegen und umgangen wird.

In meiner Coaching-Bubble wird das Wort „müssen“ meist konsequent gestrichen. Stattdessen heißt es: Du darfst dich dafür entscheiden. Du darfst das tun, wenn du das erreichen willst. Du musst auf einmal gar nichts mehr, sondern du darfst ab sofort nur noch. Was für eine Lüge!

Ich verstehe, warum das gut gemeint inzwischen mehr als Einladung denn als Aufforderung so formuliert wir. Niemand soll sich unter Druck gesetzt fühlen. Niemand soll das Gefühl haben, wieder zu funktionieren statt zu wählen.

Aber ich halte es schlichtweg für weichgespült.


Gefragt ist in Wahrheit radikale Ehrlichkeit

Denn wenn du wirklich Veränderung willst, dann ist Handeln keine Option. Dann MUSST du ins Tun kommen. Das ist keine Drohung, das ist die schlichte Wahrheit über Veränderung: Sie entsteht nicht durch Wollen allein. Sie entsteht durch das, was du daraus machst, welche Handlungen deinem Wollen folgen lässt und was du wirklich für dich UMSETZT.

Wenn ich eine Klientin begleite, die sagt: „Ich will endlich aus diesem Erschöpfungsmodus raus“, dann ist meine Antwort an sie nicht etwa:

„Du darfst lernen, deine Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und ihnen zu folgen.“ „Du darfst lernen, deine Worte und deine Sprache ernst zu nehmen.“ „Du darfst dich selbst in täglichem Journalling erfahren und besser kennenlernen.“ „Du darfst dir zielführende Fragen stellen und dir damit eine andere Haltung angewöhnen.“

Nein! Meine Antwort lautet dann – sehr klar, konkret und kompetent:

„Wenn du wirklich etwas bewegen willst, dann MUSST du all diese Dinge tun und somit etwas verändern. Und zwar konkret und jetzt.“ Dahinter ist kein Platz für „Was, wenn ich es nicht kann?“ oder „Das mache ich irgendwann mal vielleicht …Das sind alles nur Ausreden. Was es jedoch braucht, sind echte Entschediungen und dann MUSST (und wirst) du gewissen Dinge eben einfach tun.

Das ist kein Druck von außen. Das ist Ehrlichkeit von innen. Ehrlichkeit mit dir selbst.

⚠️ Und dann ist es eine Entscheidung. Eine Entscheidung, die du treffen MUSST!


Was das mit Selbstführung zu tun hat

Der Unterschied, der für mich zählt liegt darin, woher das Müssen kommt?

Wenn es von außen kommt, aus Erwartungen, eingeredeten Pflichten, alten Rollen, die mir nie wirklich gepasst haben, dann ist es das Müssen, das ich möglichst hinter mir lasse – im Sinne von: „Einen Scheiß muss ich!“

Wenn das „Muss“ jedoch von innen kommt – aus meinen eigenen Zielen, meiner gewählten Absicht, dem Leben, das ich führen will – dann ist es ein Müssen, das ich mir selbst schulde. Dann ist es keine Bürde mehr, sondern eine Entscheidung, die ich bewusst für mich treffe. Das ist Selbstführung. Genau das ist der Kern meiner Arbeit mit Frauen, die zu mir kommen.

In meiner Arbeit nach den 4 Bs der Potenzialentfaltung gibt es grundsätzliche, erste Fragen, die wir gemeinsam klären.

Wir sortieren. Wir fragen:

  • Was ist wirklich deins?
  • Was hast du übernommen, ohne je gefragt worden zu sein?
  • Und was willst du so sehr, was treibt dich so sehr an, dass du bereit bist, dafür ins Handeln zu kommen?

Erst wenn du das unterscheiden kannst, führst du dein Leben aus dir heraus, ohne dass du dich von deinem Leben vor dir hertreiben lässt.


Was steht auf deiner „Einen Scheiß muss ich“-Liste? Was streichst du durch, und was behältst du bewusst?

Wenn dich das Thema bewegt und du spürst, dass du es tiefer betrachten möchtest, schreib mir gerne. Oder hol dir meinen VIP-Letter, in dem ich regelmäßig aus meiner Arbeit und meinem Leben mit dir teile, was Selbstführung wirklich bedeutet.

Oder du willst direkt tiefer tauchen und einen Blick darauf werfen, wie du dein „Müssen“ für dich verändern kannst.

Dann buch‘ dir ein Klarheitsgespräch mit mir und wir schauen gemeinsam, welche nächsten Schritte für dich geeignet sind.

↪️ Ja, ich will ein kostenlosens Klarheitsgespräch

Oder du buchst dir direkt ein Klarheits-Coaching und gehst sofort in die Umsetzung.

↪️ Bitte sehr – zum Klarheits-Coaching hier entlang!

ERST ICH. DANN ALLES ANDERE.


BIRGIT NORA SCHÄFER ⎪Wohlfühlherz

Nervensystemexpertin · Embodiment Coach · Mentorin für Potenzialentfaltung

Kompetenz mit Herz


Ich begleite Frauen, die mitten im Leben stehen, täglich für alle da sind und sich dabei selbst aus den Augen verloren haben, zurück zu sich selbst, zu ihren Bedürfnissen und ihrer inneren Kraft.


Mein Weg war alles andere als geradlinig: Herzinfarkt mit 48. Neuanfang. Verlust. Und schließlich eine Meditationsreise, die alles für mich veränderte.


Ich begleite dich nicht mit theoretischem Wissen aus dem Lehrbuch. Ich begleite dich mit gelebter Erfahrung, direkt aus meinem Leben.


Mit der von mir entwickelten Methode - den 4 Bs der Potenzialentfaltung - verbinde ich Nervensystemwissen mit gelebtem Embodiment. Weil echte Veränderung nicht nur im Kopf beginnt.


Erst ich. Dann alles andere.


Schön, dass du hier bist! 💗


👉🏻 Mehr über mich und meinen Weg

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  1. Liebe Birgit Nora,

    welche Überraschung, einen Artikel von dir zu meiner Blogparade zu bekommen –vielen lieben Dank!

    Ich habe beim Lesen die ganze Zeit genickt, mal heftig, mal entschieden, und JA! Das MÜSSEN komplett durch DÜRFEN zu ersetzen, finde ich auch weichgespült. Manches darf ich, vieles tue ich, für einiges entscheide ich mich aus ganzem Herzen. Da sind die von dir aufgeführten Sachzwänge, sprich, ich muss DIES tun, wenn ich DAS erreichen will. Klingt wie ein inneres und ein äußeres MUSS. Das äußere ist eingeschliffen und nervt, das innere möchte voller Überzeugung gelebt werden!

    Wie schön, dass du es geschafft hast mitzumachen, ich freue mich sehr.

    Und ich schicke dir einen lieben Gruß aus Hamburg,
    Silke

    1. Es war mir eine Freude, liebe Silke, diesen Blogartikel im Rahmen deiner Blogparade zu schreiben.

      Schon längst schlummerte das Thema irgendwie in mir und jetzt bereichert es meinen Blog. Darüber freue ich mich sehr.

      Liebe Grüße zurück und noch einen schönen Sommer in Hamburg,
      Birgit Nora

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