Wechseljahre sind die Pubertät der Reife

Irgendwann sagte meine Mutter, damals selbst bereits in höherem Alter, aus voller Überzeugung zu mir:

„Ab 50 hatte ich meine schönsten Jahre!“

Ich weiß nicht mehr, wann und in welchem Zusammenhang wir über das Altern gesprochen hatten und wie alt ich damals selbst war.  Wahrscheinlich wird es irgendwann um meinen eigenen 50ten Geburtstag herum gewesen sein.

Jedenfalls hat sich mir diese Aussage stark eingeprägt und heute – selbst schon über die Mitte der 50er hinaus – kann ich aus vollstem Herzen bestätigen:

Auch mein Leben ist heute, mit bald 58 Jahren, glücklicher,  erfüllter und emotional befreiter als jemals zuvor!

Inhaltsverzeichnis:

Wechseljahre?

Ein Thema, mit dem ich mich bisher – persönlich – nie wirklich auseinandergesetzt habe.

Silke Geissen hat jedoch mit dem Aufruf zu ihrer Blogparade „Wechseljahre und dann? Endstation Unsichtbar oder Time of your Life?“ einen deutlichen Pieks gesetzt, mich doch einmal mit dieser spannenden Phase meines Frau-Seins zu beschäftigen.

Klar, gab es – keine Ahnung wann es genau war – erste körperliche Anzeichen. Der deutlichste „Wechsel“ war natürlich zu verzeichnen, als meine Regel aussetzte. Eine Tatsache, die ich eher dankbar angenommen habe, als dass sie mich in eine Identitätskrise versetzt hätte.

Mit dem Eintritt in die Wechseljahre – als eine durchaus turbulente und bewegte Zeit – begann jedoch vor allem eine neue Qualität der ewigen Suche nach der eigenen Identität im Leben.

Ich bekam eine leise Ahnung davon, dass mich etwas sehr Spannendes erwarten würde.

Das Gefühl war vergleichbar mit der Vorfreude einer Pubertierenden auf das Erwachsenwerden.

Der Prozess der Wechseljahre, mit all seinen Höhen und Tiefen, fühlte sich dennoch an wie die Vorbereitung auf eine große, bevorstehende Ernte. Wie die Verleihung eines Reifezeugnisses!

 

Weiblichkeit!

Aus körperlicher Sicht

Gleich zu Beginn meiner Auseinandersetzung mit dem Thema Wechseljahre fällt mir auf, dass für mich dabei der Begriff der „Weiblichkeit“ ins Zentrum meines Interesses rückt.

Ich frage mich, warum mich das Aussetzen meiner Regelblutung, wie oben beschrieben, nicht sonderlich erschüttert hat. Schließlich hat mich doch der Zyklus den Großteil meines Lebens als Zeichen meiner Weiblichkeit begleitet und mich in meiner körperlichen Wahrnehmung und Empfindlichkeit wesentlich mitbestimmt.

Warum habe ich also das Wegbleiben der monatlichen Blutung als immerhin sehr intimen und gleichzeitig präsenten Teil meines Daseins als Frau nicht als Verlust von Weiblichkeit empfunden?

Meine Interpretation heute lautet, dass ich das Einsetzen meiner Blutung im zarten und noch sehr unreifen Alter von 13 Jahren damals eher als Schock erlebt habe und es für mich vor allem mit großer Scham besetzt war. Ich war in keinerlei Hinsicht darauf vorbereitet und hatte keinen natürlichen Umgang damit gelernt. In meiner Jugendzeit hat man darüber nicht offen gesprochen.

Und diese Scham-besetzte Facette von Weiblichkeit hat mich offensichtlich bis in meine Erwachsenenjahre begleitet.  Erst heute verstehe ich, wie wichtig die bewusste, liebevolle Akzeptanz meiner Weiblichkeit für mein Selbstverständnis geworden ist.

Aus spiritueller Sicht

Inzwischen setze ich mich sehr viel bewusster mit meiner Weiblichkeit auseinander.  Ich kann sie genießen. Sie hat mit meinem älter und reifer werden eine neue Qualität bekommen. Die Wechseljahre haben mir zu einem neuen, weiter gefassten Verständnis von Weiblichkeit beziehungsweise weiblicher Definition verholfen.

Inzwischen weiß ich um die Qualitäten von weiblich und männlich. Aus spiritueller Sicht handelt es sich dabei um die weiblichen und männlichen Wesensanteile, die jeder Mensch, unabhängig seines Geschlechts, in sich trägt:

Die weibliche Qualität in ihrer kreativen Form des Empfangens, Gebens und Seins sowie die männliche Qualität in ihrer stabilen Form von Struktur, Planung,  Reflektion, Beständigkeit.

Damit wir unser Leben glücklich und erfolgreich erleben können, ist es essenziell, dass beide Wesensanteile möglichst in Balance sind.  Jeder Anteil darf genau dann dominieren, wenn ein Moment des Lebens gerade eine dieser Qualitäten besonders ausgeprägt braucht. Wichtig ist, dass beide Anteile anschließend wieder in Balance und Harmonie kommen.

Auf dem Weg zum authentischen Selbst

Die Verbindung der körperlichen und spirituellen Komponente von Weiblichkeit bringt mich dazu, mein authentisches, wahres Selbst immer besser und bedingungsloser zu erkennen und zu lieben. 

Heute weiß ich einfach sehr genau, wer ich bin und vor allem wie viele … 😜).

Erkennen von Wahrheit(en)

Diese Selbsterkenntnis resultiert in immer mehr Exklusivität!

Will heißen:

Ich schließe immer mehr von dem aus meinem Leben aus, was sich nicht mehr stimmig anfühlt.

Andererseits hole ich mir immer mehr von dem ins Leben, was ich wirklich will! Und davon darf es gerne immer mehr geben und immer noch besser funktionieren!

Zu Beginn neuer Prozesse und Kreationen stelle ich mir nun schlicht und einfach DIE EINE Frage:

WIE WILL ICH ES HABEN? Wie will ich es – WIRKLICH, WIRKLICH – haben?

Mit dieser Frage drehe ich so viele Runden, bis ich die Antwort ganz genau kenne.

Exzellenz braucht eben ihre Zeit

Wie entsteht eine reichhaltige Sauce?

Du verwendest beste Zutaten, gibst diese grob zerkleinert in einen großen Topf, kochst das Ganze unter Zugabe von Wasser auf, rührst ein paarmal ordentlich um und lässt alles zusammen bei mäßiger Hitze langsam einköcheln. Schlussendlich wird die Grundlage so lange reduziert, bis letztendlich die gehaltvolle Essenz übrig bleibt.

Wie reift ein hervorragender Wein?

Auch hier führt das Konzept und das Zusammenspiel von besten Zutaten, gekonnter Verarbeitung, Geduld und Zeit zum letzendlich besten Erfolg! Das hochwertige und wertvolle Ergebnis steht auch hierbei erst am Ende des Prozesses.

Was haben die Wechseljahre damit zu tun?

Die Wechseljahre läuten ebenfalls das gehaltvolle Ergebnis eines längeren Reifeprozesses ein. Warum also sollten wir Angst davor haben?

Durch den ständigen, lebenslangen Lernprozess von Erkennen, Wahrnehmen, Annehmen und wieder Abgeben entstehen wertvolle Erfahrungen und Wissen.

Dieses Wissen gepaart mit der Gelassenheit des Älterwerdens während der Wechseljahre, schenkt uns Weisheit! Ganz simpel, im Erleben oft sehr komplex, im Resultat zum Schluss aber  beste Qualität!

Die so gereifte Weisheit beinhaltet ein unbändiges Vertrauen, ähnlich dem Urvertrauen, das wir als Kinder mit auf diese Welt bringen. So schließt sich ein Kreis.

Ja, ich fühle mich heute manchmal weise. Ob das die viel zitierte Altersweisheit ist? Und klar, frage ich mich „Bin ich für Altersweisheit nicht noch zu jung?“. 

Wer sagt allerdings, dass Weisheit erst ab einem Alter von 80+ Jahren entstehen dürfte …?

 

Es gibt keine Angst mehr

Ich habe das Thema Ängste bewusst abgewählt und mich dazu entschieden, der Angst in meinen Gedanken keinen Raum mehr zu geben!

Das heißt NICHT, dass sie nicht ab und zu um die Ecke schaut. Doch, das tut sie durchaus – immer noch. Das darf auch sein.

Angst ist ja auch ein Schutzmechanismus, der uns sagt: „Schau genauer hin!“

Allerdings habe ich inzwischen gelernt, ganzheitlich mit der Angst umzugehen. 

Ich versuche dabei nicht, sie – mit dem Verstand – zu verjagen und kleinzureden.

Nein. Denn das würde bedeuten, dass sie nicht verschwindet, sondern dass mein Körper mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder dieselbe Angst verspüren würde.

Stattdessen begegne ich der Angst wie allen Gefühlen, die mich aus meiner Balance bringen:

Ich sehe sie, ich nehme sie wahr, lasse sie zu und gebe sie dann ab. Ich lasse sie einmal durch mich hindurch laufen, frage mich, was sie mir sagen will, warum sie sich zeigt, was ich durch sie lernen soll und dann gebe ich sie wieder ab. Voller Vertrauen, dass das Leben FÜR MICH ist. Immer!

Mit dieser Lebenshaltung, die sich mir in den letzten Jahren offenbart hat, bekomme ich meine Ängste sehr gut in den Griff.

Ich erlebe dadurch eine große emotionale Befreiung, die ich JETZT genießen darf.

Der Blick zum Tod hat mich die Liebe zum Leben gelehrt

Die größte Angst im Leben vieler Menschen ist oft die Angst vor dem Tod.

Dieser Angst habe ich durch meinen Herzinfarkt im Alter von 48 Jahren, verbunden mit einem Nahtoderlebnis, ins Auge geblickt. Lange Zeit habe ich nicht darüber gesprochen, weil es mich extrem erschreckt hat.

Allerdings hat es auch dazu geführt, dass ich die Angst vor dem Tod inzwischen verloren habe. Er schreckt mich heute nicht mehr.

Auch wenn ich natürlich noch lange gesund und glücklich leben will und werde.

 

Die Zukunft ist unendlich

Ich glaube heute daran, dass unsere Seelen, auch jenseits von Zeit und Raum existieren. Auch aus dieser Sicht bedeuten die Wechseljahre – als Übertritt in das menschliche Altern – für mich nicht den Anfang vom Ende.

Das Leben als Beitrag für die Welt begreifen

Durch mein persönliches Erleben von allem, was man – allgemeingültig – als Erfolg, Karriere, Glück und Wohlstand definiert, habe ich meinen eigenen Umgang damit gefunden. 

Ich möchte heute, mit allem, was ich weiß und was ich geben kann, ein bestmöglicher Beitrag für diese Welt sein.

Das ist der Anspruch, den ich an mich selbst stelle.

Ich liebe das Leben und will es mit allem, was es zu bieten hat und was ich mir für mich erdenken kann, voll und ganz genießen.

Aus dieser Haltung heraus will ich meinen Beitrag dahingehend leisten, möglichst viele Menschen dazu zu motivieren, dies für sich selbst ebenfalls in Anspruch zu nehmen und als Folge davon auch in ihr Leben zu ziehen.

 

50 plus - meine besten Jahre!

Für mich lautet die Antwort auf die Frage dieser Blogparade „Wechseljahre und dann? Endstation Unsichtbar oder Time of your Life?“ jedenfalls:

Best Time of my Life!

Und ich danke meiner Mutter, die mir durch ihre Sichtweise schon früh den Blick auf ein glückliches und erfülltes Leben auch nach den Wechseljahren geöffnet hat!

 

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